Kratzer in dem Lack
sie polieren
das Erbe auf
Sandpapier
schleift es fein
spiegelglatt
ohne Brüche und Risse
schattenlos glänzt
steril der Rhein
Kratzer in dem Lack
sie polieren
das Erbe auf
Sandpapier
schleift es fein
spiegelglatt
ohne Brüche und Risse
schattenlos glänzt
steril der Rhein
Auf der Spur in das Haus meiner Väter
im Flur an gekalkter Wand
hängt die Schifferkappe noch
das Fischernetz es trocknet
neben Tee, Kamille auf dem Speicher
die alte Bibel liegt verwaist
der graue Heidelberger Katechismus
Truhen, Kästen angefüllt mit Uhren
Brillen drauf
der Plan von einer Schiefermine
im Keller neben Eichenfässer
Steine, Fliesen, Funde
die Wilddiebflinte gut versteckt
Schmuggelgut in der Franzosenzeit
Schlösser in die kein Schlüssel paßt
Weidenkörbe Bartmannkrüge
Zifferblätter ohne Zeiger
trockene Reben gelagert im Hof
auf der Spur in das Haus meiner Väter
durch Träume hindurch
durch Brände
durch Risse, Brüche, Engen
Häuser die nun nicht mehr stehen
auf der Spur in das Haus meiner Väter
Wingertspfade steil, Bergmannslampen
Schifferseile Fischerhaken
Gläser, Uhren, Perpentikel
in der Hand des Alten
der durch alle Väter geht
balanciert die feine Wage
stets auch gut geeicht
Ebenholz mit dünnen Messingschalen
und es gibt kein Gold
das da hebt die Asche auf
dessen den sie einfach so vergast
Tauch in die Tiefe nur des Stroms
im Rhein da liegt ein goldner Becher
der nicht verrostet ist
aus ihm da quillen neue Sagen
die nicht zerschellen nur
an Fels und Wand
sie sind die Raben in dem Wind
Echo nur aus tiefer Stille
sie fliegen durch die Nacht
auf ihren Federn all die Türme
die zerbrochen sind
Gesänge die verhallt
in einem Krächzen nur
die Leben all
die abgerissnen Häuser
tragen sie auf ihren Flügeln mit
und Worte seltsam
Ba CHava ch
Auf einem Felsensteine
Steht, wie ein Körnlein Salz,
So eckig weiß im Rheine,
Ein Schloß, das heißt die Pfalz,
Töpfer, Keramiker
Spieleerfinder du
noch immer wartet
ein Spiel
ein Projekt
ungefertigt
über und durch
enge Gassen
die sich zuziehen
in dieser kleinen Stadt
dort am Rhein
schattenüberhangen
ich zeichne es in der Luft
du setzt Steine darauf
ich flüstre durchs Gras
dir ins Grab
nimm Glasur mit
von unten
brennst du den Ton
Der Krug ist zerbrochen
die Töpferin Zeit
hält die Scherben
in der Hand
nichts fügt sich mehr
zusammen
vorbei und dahin
ausgetrunken zu schnell
das Wasser des Lebens
Die Sonne plötzlich
glitzert in dem Schlamm
und zwischen Schiefer
Scherben Aschenresten
ein rostger Nagel
sticht sich in den Himmel
an dem einst hing
ein Bild des Rheins
das schwamm
durch die Romantik hin
die Wellen fraßen alle Haare
die Felsen gingen unter
die Farben lösten auf sich
uferlos auf einmal
Berge Linien Himmel Anker Nachen Weiden
Schiffe Pappeln trieben in der Luft
kein Wasserstand mehr
und kein Pegel
kein Echo mehr
doch da lud ein ein neues Segel
die Weltkultur lud ein
zu erben was dahin und auch vorbei
und so erwachten neu
sieben Jungfrauen nackt
die tanzten auf den Tischen
Aus der Nacht
herausgekehrt
die Reste
aus der Asche heraus
gepustet
was da zuunterst
noch Glut
mit zugespitzten Lippen
zäh
Atem schnell schnappend
zäh angefacht
rot züngelt es noch
was blieb übrig von uns
nie hab ich dich verlassen
suchst du noch immer
den Schlüssel zu der verlorenen Tür
in der Urne war die Asche des Bruders nicht
hältst du noch immer die Hände
schützend um die rettende Glut
wer zündet das Feuer nun an
es ist worden kalt