Am letzten Wochenende war ich seit langem wieder in Bacharach. Mich freute, daß man registriert hatte, daß ich lange nicht da war. Sah zum ersten Mal in diesem Jahr Mimo wieder, dessen Italienische Eisdiele im Zentrum ja sehr wichtig für Austausch, Begegnung und Kommunikation in dieser kleinen Stadt ist. Wenn Mimo da ist, ist der Winter vorbei und die Stadt wacht auf, dem touristischen Treiben des Sommers entgegen. Im Vorfeld der Veranstaltung am Pfingstmontag bekam ich mit, daß zunächst nicht die richtigen Glasscheiben angeliefert wurden, und daß jemand mit einem flyer oder Flugblatt sich gegen die Fensteraktion mit dem Rabbitext ausgesprochen hatte. Wohl aus Gründen zur Erhaltung des ungestörten Anblicks und Erlebens des romantischen Ruinencharakters. Ich habe den flyer nicht zu Gesicht bekommen. Eine Meinung, die man tolerieren, aber nicht zu teilen braucht. Aber was dieser flyer dann an Empörung auslöste, diese Zitate, wenn auch mit Spaß gemischt, möchte ich hier nicht wiederholen. Mir schien aber, als ob die Kunstaktion zur Toleranz schon vor Beginn in Gefahr schwebte, selbig gepriesene Toleranz allzu schnell verlieren zu können. Wie kann auch jemand wagen, gegen Toleranzaktionen zu sein und wie geht man mit den Andersdenkenden dann um ? “ Andersdenkende sind anders als wir denken.“ Wer bestimmt was Toleranz ist, zu sein hat ?
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Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 2
Donnerstag, Mai 24th, 2007Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 1
Mittwoch, Mai 23rd, 2007Meinen Sie es ernst ? Eine Toleranz, die nicht nur Sonntags oder Pfingstmontag zählt ? Sondern werktags auch ? Nicht nur im Beisein von Ministern, Professoren und Flötenkonzert. Eine Toleranz die nicht nur Marketing für Weltkulturerbe ist, sondern menschlicher das Zusammenleben gestalten will, auch im grauen Alltag, auch an Stammtischen und in Fußballstadien. Nicht nur akademisch oder weihevoll. Nicht Flötentöne nur. Sonntagsreden. Auch für Menschen ohne Abitur. Auch in der Enge und Angespanntheit von Arbeitslosigkeit, Überforderung, Ausweglosigkeit, Behinderung oder Hartz IV. Eine Toleranz nicht nur für die feine Gesellschaft. Wenn Sie es ernst meinen, dann brauche ich ja auch hier nicht zu verstummen, sondern kann sagen, was ich zu sagen habe. In diesem Medium hier, das neu für mich ist und diese Möglichkeit mir hier bietet. Ein blog, ein poetisches Tagebuch, das einen Text hier entstehen läßt. Nicht sprachlos nur Offiziellem ausgesetzt, offizieller Toleranz, sondern artikulieren zu können, wenn auch ungeschützt , was ich finde, das nicht untergehen darf, an Schatten und Widersprüchen. Dann kann ich virtuell hier mir erlauben, zu dir Heinrich Heine direkt auch zu sprechen, der du ein Kirchenfenster bekommst mit deinem Rabbitext am Pfingstmontag in dieser herrlichen Ruine der Wernerkapelle, die hochgotisch oder tiefes romantisches Erlebnis auch ein Dokument der Barbarei war, des Hasses, der Hetze, der Anfeindungen, Unterstellungen und der Judenverfolgungen.
Ein Experiment also hier, eine Stellungnahme zu gegebenem Anlaß für Pfingstmontag 2007. In aller Eile, zwischendurch, denn „Deutsch für Ausländer“ habe ich noch zu unterrichten. Keine Zeit, den Text zu feilen. Aber im Ungeordneten hat sich Toleranz ja auch zu bewähren. Nicht nur im Feingeschliffnenen. Kunst bewegt zur Toleranz. Schön, daß sie außerhalb von sich noch was wahrnimmt, wo sie doch immer mehr in unserer Gesellschaft zum Selbstzweck, zur Selbstbestätigung und zur Unterhaltungsindustrie dient.
o.T.
Dienstag, Mai 22nd, 2007Heute vermag ich nicht zu schreiben. Ein Kompliment an die, die es doch immer wieder schaffen, einen mundtot zu machen. Und doch, ich schreibe dies hier. Und das ist viel. Ich habe viel gelernt. Ich gebe ihnen nicht die Ehre, sie zu benennen hier.
Karfreitag Bacharach 2007
Montag, Mai 21st, 2007Und plötzlich
färbt die Kirche
schwarz sich
Ruß fällt
von den Wänden
und aus der Orgel
schwarzer Staub
aus allen Pfeifen
Pedalen und Register
tönt die Finsternis
Uferlos
Dienstag, Mai 15th, 2007Wohin willst du fließen Rhein
wohin bist du geflossen
die Strömung riß durch Felsen dich
die beugten deine Bahn
du schlängelst dich
du windest dich
doch irgendwann
ist alles leer
nur Meer
Fels
Dienstag, Mai 15th, 2007An diesem Fels
da stehst du oft
er hat gar keinen Namen
er ist die Wand
die vor dir steht
und hinter dir die Nacht
ist wenn keiner mehr
denn bei dir steht
er kennt dich gut
wozu noch Mut
so wie der Strom
in weite Ferne schlägt
bleibt doch der Fels
ein Wächter er
still steht er
unbeugsam
Schatten in der Nacht
die ausruht von der Grelle nur
ein Wächter stumm
einsam nur Stein
In der Gassen enger Schatten
Montag, Mai 14th, 2007In den Gassen
wälzt der Mond
den Himmel nächtlings
in das Pflaster
die Häuser werfen Schatten
durch die Tote gehen
sie suchen ihren Namen noch
an Türen die schon längst
vergessen und verwaist
Schritte hörst du
in der Nacht
eine Hand legt sich
auf deine Schulter
eine Hand aus Rabenflügel
Mondenschein
sieh hier in die Höh
all die Enge nie
löste sie sich auf
alles blieb hier
wie es war
bleibst du stets
ein Schritt nur auf dem Pflaster
in den Schatten enger Gassen
wo der Mond den Himmel
nächtlngs wälzt
bist du, ist dein Schatten auch
festverankert mitverwebt
Prost
Montag, Mai 14th, 2007Die da schreien
schreien immer
die da wispern
wispern immer
alles heult nur
so zum Schein
die da loben
loben immer
taubstumm nur
erträgst du deinen Wein
Weder verramscht noch beliebig
Montag, Mai 14th, 2007Ich bin die Tradition
ich geh durch all die Namen
ich bin das Etikett nicht
das man klebt
ich bin Besitz nicht vom Verein
noch Trittbrett für die Trittbrettfahrer
ich bin die Tradition
ich gehe durch die Zeiten
ich bin das Tote nicht
das man verwaltet
bin das was war
und immer ist
weil einmal es
nur so gewesen ist
ich bin was immer wieder
neu entdeckt
wenn ohne Lügen und Schablonen
man entgegentritt
und zieht die Abziehbilder ab
auch die von Kraft-durch-Freude-Zeit
ich bin die Tradition
so wie es war und unbeliebig
so schenk ich Blicke in die Alte Zeit
und tue auf Momente
die nicht vorgeschwommen
ich bin die Tradition
wer in mir ist
der hat die Wahl
Feuer, Asche, alles sein
Ufer, Strom und Grund
wer in mir ist
braucht keine Wahl
er findet ganz zu sich
ich bin die Tradition
ich gehe durch die Namen
ich trübe nicht, ich helle auf
verkläre nicht, bin keine Zier
ich bin die Tradition
ich gehe durch die Namen
durchs Vergessen ganz hindurch
wer nah mir ist
ist nicht wer klebt
ist wer da steht
im Widerspruch
im andern stets
erfüllt sich was
sich selber bleibt
und wandelt ganz
Museum der Welt
Montag, Mai 14th, 2007Sie bewundern Vögel, Tiere
Pflanzen, Kräuter, Mineralien
Landschaft, Berge, Strom
Burgen, Kirchen und Kapellen
Fachwerk, Heine und Hugo
Ritter, Staufer, Minne, Wein
Bergwerk, Höhlen, Eidechs, Fledermaus
doch hier waren Menschen auch zu Haus
nicht nur Inventar allein Fossilien
lebend im Museum Loreley