Archive for the ‘Bacharach’ Category

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 2

Donnerstag, Mai 24th, 2007

Am letzten Wochenende war ich seit langem wieder in Bacharach. Mich freute, daß man registriert hatte, daß ich lange nicht da war. Sah zum ersten Mal in diesem Jahr Mimo wieder, dessen Italienische Eisdiele im Zentrum ja sehr wichtig für Austausch, Begegnung und Kommunikation in dieser kleinen Stadt ist. Wenn Mimo da ist, ist der Winter vorbei und die Stadt wacht auf,  dem touristischen Treiben des Sommers entgegen. Im Vorfeld der Veranstaltung am Pfingstmontag bekam ich mit, daß zunächst nicht die richtigen Glasscheiben angeliefert wurden, und daß jemand mit einem flyer oder Flugblatt sich gegen die Fensteraktion mit dem Rabbitext ausgesprochen hatte. Wohl aus Gründen zur Erhaltung des ungestörten Anblicks und Erlebens des romantischen Ruinencharakters. Ich habe den flyer nicht zu Gesicht bekommen. Eine Meinung, die man tolerieren, aber nicht zu teilen braucht.  Aber was dieser flyer dann an Empörung auslöste, diese Zitate, wenn auch mit Spaß gemischt, möchte ich hier nicht wiederholen. Mir schien aber, als ob die Kunstaktion zur Toleranz schon vor Beginn in Gefahr schwebte,  selbig gepriesene Toleranz allzu schnell verlieren zu können. Wie kann auch jemand wagen, gegen Toleranzaktionen zu sein und wie geht man mit den Andersdenkenden dann um ?  “ Andersdenkende sind anders als wir denken.“  Wer bestimmt was Toleranz ist, zu sein hat ?

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 1

Mittwoch, Mai 23rd, 2007

Meinen Sie es ernst ? Eine Toleranz, die nicht nur Sonntags oder Pfingstmontag zählt ? Sondern werktags auch ? Nicht nur im Beisein von Ministern, Professoren und Flötenkonzert. Eine Toleranz die nicht nur Marketing für Weltkulturerbe ist, sondern menschlicher das Zusammenleben gestalten will, auch im grauen Alltag, auch an Stammtischen und in Fußballstadien. Nicht nur akademisch oder weihevoll. Nicht Flötentöne nur. Sonntagsreden. Auch für Menschen ohne Abitur. Auch in der Enge und Angespanntheit von Arbeitslosigkeit, Überforderung, Ausweglosigkeit, Behinderung oder Hartz IV.  Eine Toleranz nicht nur für die feine Gesellschaft. Wenn Sie es ernst meinen, dann brauche ich ja auch hier nicht zu verstummen, sondern kann sagen, was ich zu sagen habe. In diesem Medium hier, das neu für mich ist und diese Möglichkeit mir hier bietet. Ein blog, ein poetisches Tagebuch,  das einen Text hier entstehen läßt. Nicht sprachlos nur Offiziellem ausgesetzt, offizieller Toleranz, sondern artikulieren zu können, wenn auch ungeschützt , was ich finde, das nicht untergehen darf, an Schatten und Widersprüchen. Dann kann ich virtuell hier mir erlauben, zu dir Heinrich Heine direkt auch zu sprechen, der du ein Kirchenfenster bekommst mit deinem Rabbitext am Pfingstmontag in dieser herrlichen Ruine der Wernerkapelle, die hochgotisch oder tiefes romantisches Erlebnis  auch ein Dokument der Barbarei war, des Hasses, der Hetze, der Anfeindungen, Unterstellungen und der Judenverfolgungen.

Ein Experiment also hier, eine Stellungnahme zu gegebenem Anlaß für Pfingstmontag 2007. In aller Eile, zwischendurch, denn „Deutsch für Ausländer“ habe ich noch zu unterrichten. Keine Zeit, den Text zu feilen. Aber im Ungeordneten hat sich Toleranz ja auch zu bewähren. Nicht nur im Feingeschliffnenen. Kunst bewegt zur Toleranz. Schön, daß sie außerhalb von sich noch was wahrnimmt, wo sie doch immer mehr in unserer Gesellschaft zum Selbstzweck, zur Selbstbestätigung und zur Unterhaltungsindustrie dient.

o.T.

Dienstag, Mai 22nd, 2007

Heute vermag ich nicht zu schreiben. Ein Kompliment an die, die es doch immer wieder schaffen, einen mundtot zu machen. Und doch, ich schreibe dies hier. Und das ist viel. Ich habe viel gelernt. Ich gebe ihnen nicht die Ehre, sie zu benennen hier. 

Karfreitag Bacharach 2007

Montag, Mai 21st, 2007

Und plötzlich

färbt die Kirche

schwarz sich

Ruß fällt

von den Wänden

und aus der Orgel

schwarzer Staub

aus allen Pfeifen

Pedalen und Register

tönt die Finsternis

 

Uferlos

Dienstag, Mai 15th, 2007

Wohin willst du fließen Rhein

wohin bist du geflossen

die Strömung riß durch Felsen dich

die beugten deine Bahn

du schlängelst dich

du windest dich

doch irgendwann

ist alles leer

nur Meer

Fels

Dienstag, Mai 15th, 2007

An diesem Fels

da stehst du oft

er hat gar keinen Namen

er ist die Wand

die vor dir steht

und hinter dir die Nacht

ist wenn keiner mehr

denn bei dir steht

er kennt dich gut

wozu noch Mut

so wie der Strom

in weite Ferne schlägt

bleibt doch der Fels

ein Wächter er

still steht er

unbeugsam

Schatten in der Nacht

die ausruht von der Grelle nur

ein Wächter stumm

einsam nur Stein

In der Gassen enger Schatten

Montag, Mai 14th, 2007

In den Gassen

wälzt der Mond

den Himmel nächtlings

in das Pflaster

die Häuser werfen Schatten

durch die Tote gehen

sie suchen ihren Namen noch

an Türen die schon längst

vergessen und verwaist

Schritte hörst du

in der Nacht

eine Hand legt sich

auf deine Schulter

eine Hand aus Rabenflügel

Mondenschein

sieh hier in die Höh

all die Enge nie

löste sie sich auf

alles blieb hier

wie es war

bleibst du stets                             

ein Schritt nur auf dem Pflaster

in den Schatten enger Gassen

wo der Mond den Himmel

nächtlngs wälzt          

bist du, ist dein Schatten auch

festverankert mitverwebt

Prost

Montag, Mai 14th, 2007

Die da schreien                   

schreien immer

die da wispern

wispern immer

alles heult nur

so zum Schein                   

die da loben

loben immer

taubstumm nur                   

erträgst du deinen Wein 

Weder verramscht noch beliebig

Montag, Mai 14th, 2007

Ich bin die Tradition

ich geh durch all die Namen

ich bin das Etikett nicht

das man klebt

ich bin Besitz nicht vom Verein

noch Trittbrett für die Trittbrettfahrer

ich bin die Tradition

ich gehe durch die Zeiten

ich bin das Tote nicht

das man verwaltet

bin das was war

und immer ist

weil einmal es

nur so gewesen ist

ich bin was immer wieder

neu entdeckt

wenn ohne Lügen und Schablonen

man entgegentritt

und zieht die Abziehbilder ab

auch die von Kraft-durch-Freude-Zeit

ich bin die Tradition

so wie es war und unbeliebig

so schenk ich Blicke in die Alte Zeit

und tue auf Momente

die nicht vorgeschwommen

ich bin die Tradition

wer in mir ist

der hat die Wahl

Feuer, Asche, alles sein

Ufer, Strom und Grund

wer in mir ist

braucht keine Wahl

er findet ganz zu sich

ich bin die Tradition

ich gehe durch die Namen

ich trübe nicht, ich helle auf

verkläre nicht, bin keine Zier

ich bin die Tradition

ich gehe durch die Namen

durchs Vergessen ganz hindurch

wer nah mir ist

ist nicht wer klebt

ist wer da steht

im Widerspruch

im andern stets

erfüllt sich was

sich selber bleibt

und wandelt ganz

Museum der Welt

Montag, Mai 14th, 2007

Sie bewundern Vögel, Tiere

Pflanzen, Kräuter, Mineralien

Landschaft, Berge, Strom

Burgen, Kirchen und Kapellen

Fachwerk, Heine und Hugo

Ritter, Staufer, Minne, Wein

Bergwerk, Höhlen, Eidechs, Fledermaus

doch hier waren Menschen auch zu Haus

nicht nur Inventar allein Fossilien

lebend im Museum Loreley