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Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 58

Montag, Juni 4th, 2007

Durch Trennungen zu gehen

wie durch ein Abschiednehmen

du bist schon stark

läßt alles hinter dir

der Schritt ins Aus

das Wagnis ist der Sprung

der erste Schritt

den Abgrund rettend

dich zu überwinden

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 57

Montag, Juni 4th, 2007

Und sieh den Strom

den Berg, den Fels

du glaubst, es sind

nur Silhouetten

und sieh den Flug der Vögel

Huschen der Spinnen

das Wachsen der Brennessel und Reben

Surren der Bienen

das Dösen der Eidechsen

auf heißem Schieferstein

du glaubst, es sind

nur Silhouetten

und sind doch Schattenspiele

ganz der Seele auch

die leuchtet hell in diesem Tal

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 55

Montag, Juni 4th, 2007

Und weigerst du mir

Haar und Mund

verschleiert dein Gesicht

die hohe Stirne ahn ich doch

den Engelsgriff im Nacken

und über deinen Kopf streicht hin

des Krähenfluges sanftes Schwingen

und deine Hände kalt

sie trennen mir die Seele

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 56

Montag, Juni 4th, 2007

Wenn deine Hand

sich auf die meine legt

sind Welten schon dazwischen

tauchen Nächte längst gelebten Lebens

plötzlich wieder auf

tauscht das Morgen sich mit finstrem Tod

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 54

Montag, Juni 4th, 2007

Es ist die Klage

die der erste Atem ist

zu rühmen ganz

außerhalb des Willens

den Glanz der

abhebt von den Schatten

ihre frühe Spur

die Helle die auf allen Dingen lag

als noch der Tau und Raureif

unberührt den Morgen ganz bedeckte

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 53

Montag, Juni 4th, 2007

 

 

Ich habe deine Seele geschmiedet 

an die rostige Kette Verlassenheit 

ich habe deine Flügel gestutzt 

wenn himmelwärts der Flug beginnt 

über dem verheißenen Land 

das in der Sonne da brennt 

Weinberge voll die Aprikosen genommen 

ich habe deine Seele geschmiedet 

in den Schmerz der Trennungen hinein 

wenn die Abendsonne Abschied glüht 

Wasser dir genommen das da 

löscht zu Mittag den Durst 

alle Ufer dir unerreichbar gemacht 

deine Seele geworfen in den Wind des Verzweifelns 

ich habe dich genetzt mit dem Wein meiner Liebe 

geküßt mit der Rabenstille der Nacht 

 

kunst bewegt zur Toleranz – Heine 52

Montag, Juni 4th, 2007

Es zittern in der Nacht

die Flügel

 

des Menschen Wort

wäscht sich

am Ufer aus

 

es treiben in dem Strom

die Augenblicke

 

Zeit schwemmt sich fort

 

tief ins Vergessen

 

und Strudel Sog

saugt auf

die Stille

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 51

Montag, Juni 4th, 2007

Über den schwarzen Kähnen

flattert das Netz

trocknen die Fische im Wind

ausgedörrt

hungert am Ufer

ein Blick

der sich getaucht

ohn Schrecken

ins Absichtslose ganz

* * * * *

Hier an der Mündung des Bachs

da mündete ein Verbrechen

da warfen sie hin

was aufgeklärt wurde nie

den Ermordeten

den sie zusammenschlugen

und er trieb hinweg

Kunst bewegt zur Toleranz Heine 50

Montag, Juni 4th, 2007

Wer den Rhein bereist

sieht nur die Wellen

und die Tiefe fehlt

er sieht die Burgen

nicht die Schatten

der Kirchen Äußeres

doch nicht

das was verstummt uns ist

er sieht die Mauern

nicht den Zwang

er hört am Ufer

keine Rufe mehr

„Hol Über „

im Nachen keinen Fang

es glänzt und glänzt

es blinkt und blinkt

nichts das nicht teuer

wieder aufgeputzt

die kahle Anmut

ihre scheue Geste

ergreift ihn nicht am Arm

er wird hinweggeführt

gelotst im Leitsystem

in Flitter und Tamtam

erhitzt mit Wein und aufgegrölt

belehrt und zugeteilt und abkassiert

doch führen Schritte noch hinaus

noch gibt’s die Pfade

das Erlebnis wird

was Fels und Strom

an steilen Bergen

fällt von freier Höhe ab

der Wind frischt auf das Tal

und Atem wird ein Feuer ganz

das auch durch Dornen, Schatten geht

der Sonne zu

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 49

Montag, Juni 4th, 2007

Hölderlin du

Bruder in Stumme und Fels

von Göttern geführt hinab

den pindarischen Pfad

hast du die Helle gesehen

durch die Gewitter hindurch

blitzte das Morgen dir auf

Diotima Pythia lebt

wild blüht der Lorbeer

weit blickst du ins delphische Tal

und kehrst zur Kastalischen Quelle zurück

am Hang des Parnassos

wie oft bist du geschritten im Traum

im dunklen Efeu sahst du

und branntest ein Feuer tief in die Nacht

Schatten da zuckten und stumm

legte sich Schweigen auf Fels

was in den Fesseln sich wälzt

Stimme war’s des freigeborenen Stroms

was aber spaltet die Erde, zerreißt

und stürzt schlangengleich

sich durch Täler und Berge hinweg

städtegründend und Rebenhänge

flutenzerbrechend Dämme entzwei

nichts das da zähmt neu Ufer zu schaffen

brückenlos Abgrund und doch Findung zugleich

trümmerlos starkausdauernd kräftiger Sinn

zu fühlen teilnehmend ein anderer zu sein

aus heiliger Fülle der Weingott speist er die Raben

entweiht die Knechtschaft schlägt mit Blindheit

die sich erhitzen nur ergötzen und ergrellen

mühelos schenkt er den Himmel und legt

auf die Schultern Helle und Glanz einer Stille

nah ist unfaßbar was uns rettet noch fern

in unbekannte Meere strömt was hier noch wellt

und fällt am Ufer tropfenweis am Treibholz ganz herab

wie die Söhne der Erde sind so empfangen sie auch

durch das Dunkel bist du ganz geschritten

durch die Nacht die unser Tag

niemand schröckt hier mehr was auf

darum überrascht es nicht

wenn unter Lasten ganz die Freud erstickt

im Schatten des Walds erwacht

das dämmrige Dickicht nicht mehr

unversöhnlich erstarrt sind

die vom Blitz getroffenen Bäume

die Nacht geht hinunter zum Ufer

es säuseln die Weiden nicht mehr

umgewandelt ist die Zeit

hastet schneller nun vorrüber

wo ist das Maß zu tragen das Schwere das Leichte

Glück und Unglück zugleich Lob und auch Klage

du greifst den Erlenkönig an und stützt ihm auch den Rücken

bei Tage wenn es fieberhaft und angekettet das Gedächtnis

nachts kehrt im Traum uralte Verwirrung auf und über

Felsen springt was eben noch im Feuer ganz erlosch