Durch Trennungen zu gehen
wie durch ein Abschiednehmen
du bist schon stark
läßt alles hinter dir
der Schritt ins Aus
das Wagnis ist der Sprung
der erste Schritt
den Abgrund rettend
dich zu überwinden
Durch Trennungen zu gehen
wie durch ein Abschiednehmen
du bist schon stark
läßt alles hinter dir
der Schritt ins Aus
das Wagnis ist der Sprung
der erste Schritt
den Abgrund rettend
dich zu überwinden
Und sieh den Strom
den Berg, den Fels
du glaubst, es sind
nur Silhouetten
und sieh den Flug der Vögel
Huschen der Spinnen
das Wachsen der Brennessel und Reben
Surren der Bienen
das Dösen der Eidechsen
auf heißem Schieferstein
du glaubst, es sind
nur Silhouetten
und sind doch Schattenspiele
ganz der Seele auch
die leuchtet hell in diesem Tal
Und weigerst du mir
Haar und Mund
verschleiert dein Gesicht
die hohe Stirne ahn ich doch
den Engelsgriff im Nacken
und über deinen Kopf streicht hin
des Krähenfluges sanftes Schwingen
und deine Hände kalt
sie trennen mir die Seele
Wenn deine Hand
sich auf die meine legt
sind Welten schon dazwischen
tauchen Nächte längst gelebten Lebens
plötzlich wieder auf
tauscht das Morgen sich mit finstrem Tod
Es ist die Klage
die der erste Atem ist
zu rühmen ganz
außerhalb des Willens
den Glanz der
abhebt von den Schatten
ihre frühe Spur
die Helle die auf allen Dingen lag
als noch der Tau und Raureif
unberührt den Morgen ganz bedeckte
Ich habe deine Seele geschmiedet
an die rostige Kette Verlassenheit
ich habe deine Flügel gestutzt
wenn himmelwärts der Flug beginnt
über dem verheißenen Land
das in der Sonne da brennt
Weinberge voll die Aprikosen genommen
ich habe deine Seele geschmiedet
in den Schmerz der Trennungen hinein
wenn die Abendsonne Abschied glüht
Wasser dir genommen das da
löscht zu Mittag den Durst
alle Ufer dir unerreichbar gemacht
deine Seele geworfen in den Wind des Verzweifelns
ich habe dich genetzt mit dem Wein meiner Liebe
geküßt mit der Rabenstille der Nacht
Es zittern in der Nacht
die Flügel
des Menschen Wort
wäscht sich
am Ufer aus
es treiben in dem Strom
die Augenblicke
Zeit schwemmt sich fort
tief ins Vergessen
und Strudel Sog
saugt auf
die Stille
Über den schwarzen Kähnen
flattert das Netz
trocknen die Fische im Wind
ausgedörrt
hungert am Ufer
ein Blick
der sich getaucht
ohn Schrecken
ins Absichtslose ganz
* * * * *
Hier an der Mündung des Bachs
da mündete ein Verbrechen
da warfen sie hin
was aufgeklärt wurde nie
den Ermordeten
den sie zusammenschlugen
und er trieb hinweg
Wer den Rhein bereist
sieht nur die Wellen
und die Tiefe fehlt
er sieht die Burgen
nicht die Schatten
der Kirchen Äußeres
doch nicht
das was verstummt uns ist
er sieht die Mauern
nicht den Zwang
er hört am Ufer
keine Rufe mehr
„Hol Über „
im Nachen keinen Fang
es glänzt und glänzt
es blinkt und blinkt
nichts das nicht teuer
wieder aufgeputzt
die kahle Anmut
ihre scheue Geste
ergreift ihn nicht am Arm
er wird hinweggeführt
gelotst im Leitsystem
in Flitter und Tamtam
erhitzt mit Wein und aufgegrölt
belehrt und zugeteilt und abkassiert
doch führen Schritte noch hinaus
noch gibt’s die Pfade
das Erlebnis wird
was Fels und Strom
an steilen Bergen
fällt von freier Höhe ab
der Wind frischt auf das Tal
und Atem wird ein Feuer ganz
das auch durch Dornen, Schatten geht
der Sonne zu
Hölderlin du
Bruder in Stumme und Fels
von Göttern geführt hinab
den pindarischen Pfad
hast du die Helle gesehen
durch die Gewitter hindurch
blitzte das Morgen dir auf
Diotima Pythia lebt
wild blüht der Lorbeer
weit blickst du ins delphische Tal
und kehrst zur Kastalischen Quelle zurück
am Hang des Parnassos
wie oft bist du geschritten im Traum
im dunklen Efeu sahst du
und branntest ein Feuer tief in die Nacht
Schatten da zuckten und stumm
legte sich Schweigen auf Fels
was in den Fesseln sich wälzt
Stimme war’s des freigeborenen Stroms
was aber spaltet die Erde, zerreißt
und stürzt schlangengleich
sich durch Täler und Berge hinweg
städtegründend und Rebenhänge
flutenzerbrechend Dämme entzwei
nichts das da zähmt neu Ufer zu schaffen
brückenlos Abgrund und doch Findung zugleich
trümmerlos starkausdauernd kräftiger Sinn
zu fühlen teilnehmend ein anderer zu sein
aus heiliger Fülle der Weingott speist er die Raben
entweiht die Knechtschaft schlägt mit Blindheit
die sich erhitzen nur ergötzen und ergrellen
mühelos schenkt er den Himmel und legt
auf die Schultern Helle und Glanz einer Stille
nah ist unfaßbar was uns rettet noch fern
in unbekannte Meere strömt was hier noch wellt
und fällt am Ufer tropfenweis am Treibholz ganz herab
wie die Söhne der Erde sind so empfangen sie auch
durch das Dunkel bist du ganz geschritten
durch die Nacht die unser Tag
niemand schröckt hier mehr was auf
darum überrascht es nicht
wenn unter Lasten ganz die Freud erstickt
im Schatten des Walds erwacht
das dämmrige Dickicht nicht mehr
unversöhnlich erstarrt sind
die vom Blitz getroffenen Bäume
die Nacht geht hinunter zum Ufer
es säuseln die Weiden nicht mehr
umgewandelt ist die Zeit
hastet schneller nun vorrüber
wo ist das Maß zu tragen das Schwere das Leichte
Glück und Unglück zugleich Lob und auch Klage
du greifst den Erlenkönig an und stützt ihm auch den Rücken
bei Tage wenn es fieberhaft und angekettet das Gedächtnis
nachts kehrt im Traum uralte Verwirrung auf und über
Felsen springt was eben noch im Feuer ganz erlosch