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Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 17

Montag, Mai 28th, 2007

Ja er war ein Ketzer

ganz und gar

mit Haut und Haar

küß mir das blanke Schwert

das der liebe Gott be-schert

das feuerrote Sefchen

statt der schwarzen Locken

des Henkers Töchterlein

er sah was seinem Volke fehlt

er trat und trat

Sarkasmus, Spott, Witz, Ironie

Verrat, ja auch Verrat

oft ratlos gar

nur ja nicht wieder kriechen

warf er den Kopf

im Ohr noch dies Haarüh ! Haarüh !

verzweifelt sein Gebet

kalt Spott zur Höh

vielleicht hat Gott ihn ja erhört

den soviel Trotz nicht weiter stört

fand er am Ende doch zu ihm

doch vorher noch sein Leben lang

daß jedem Frommen wurde bang

sei Nazarener er, Christ oder Jud

er köpfte alle Köpfe mit und ohne Hut

das Leben zeigt er sinnlich nackt

er liebt wie niemand lieben kann

er ist ein Deutscher mehr als jeder Mann

er kennt die Herzen, Träume, Phantasien

die Lügen, Schmeicheleien, Maskeraden

er tanzt das Leben wild voll Glut

doch kommt stets zur Besinnung

er verliert sich ganz

und findet doppelt sich dann wieder

er ist ein Bürger zweier, dreier Welten

zerrissen, atmend, leidend und voll Kraft

in seinem Widerspruch ist er Gott nah

er ist die Frage

die mit falscher Antwort

auf Dauer nie zufrieden war

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 16

Montag, Mai 28th, 2007

Abseits ist nicht

immer nur daneben

Abseits ist mitunter

mittendrin

und du siehst die Schatten

die das Leben

anders wirft

als nur dahin

die sich knüpfen

in ein Morgen

wenn das Dunkel heute

ist dahin

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 15

Montag, Mai 28th, 2007

 

Stumme ist
zieht lautlos durch die Gassen
 

Stumme ist
verharrt an einer Stell
 

Stumme ist
     kein Raum zum Reden
 

niemand dir
jetzt nah von den die leben
 

Stumme ist
ganz eingedenk
 

und der Regen
löst die Seele
 

und er wäscht
den Fels die Erde
 

und durch
schwarze Tore
schweigend
gehst du still
 

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 14

Montag, Mai 28th, 2007

Einfach hineinlesen :

 

 

Die Pflastersteine auf der Straß
die sollen sich jetzt spalten
und eine Auster frisch und klar
soll jeder Stein enthalten

 

Die verwünschten Tempeltreppen

daß ich stolpernd in den Abgrund

nicht den Hals gebrochen mehrmals,

ist mir heut noch unbegreiflich.

 

Wie die Wasserstürze kreischten !

wie der Wind die Tannen peitschte,

daß sie heulten ! Plötzlich platzten

Auch die Wolken – schlechtes Wetter !

 

Das ist ja die verkehrte Welt,

wir gehen auf den Köpfen!

Die Jäger werden dutzendweis

Erschossen von den Schnepfen.

 

Das ist der finstre Sohn der Nacht,

der hier den segnenden Priester macht;

er murmelt die Formeln aus blutigem Buch,

sein Beten ist Lästern, sein Segen ist Fluch.

 

“ Die großen Buben gingen vorbei und grüßten : “ Haarüh ! “ die kleinen riefen mir denselben Gruß, aber in einiger Entfernung. …rief mir plötzlich ins Ohr ein lachendes Haarüh ! – das schnöde Wort im Davonlaufen beständig modulierend…aber nie unterließ er dann auch das fatale Haarüh ! zu rufen und zwar in allen Modulationen. „

 

O Harry  Heine wie gut du rheinsiche Städte kennst ! ! !

 

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 13

Montag, Mai 28th, 2007

Ja, was ist Schrift ?

 

Ich bin eine Dohle
die klaut
nächtlings am Dornbusch
pick ich die Buchstaben auf
mit stechendem Schnabel
Wurzel und Haken die Schrift
entreiß ich der Erde
grünsprießende Blätter
Astwerk unbekanntes
eines Stammes
aus der Tiefe heraus
Laute die Himmel tragen
durchflochten Klage Gesang
doch zwischen dem Rabengeäst
den schwarzen Quadraten, Punkten und Strichen
offene Leere unausgefüllt
durchflogen von jenseitiger 
Abwesenheit  Stille

 

“ Ich habe wieder im alten Testamente gelesen. Welch ein großes Buch !
Merkwürdigerweise noch als der Inhalt ist für mich diese Darstellung, wo das Wort gleichsam ein Naturprodukt ist, wie ein Baum, wie eine Blume, wie das Meer, wie die Sterne, wie der Mench selbst. …man weiß nicht wie, man weiß nicht warum, man findet alles ganz natürlich. Das ist wirklich das Wort Gottes…“ Heinrich Heine
„Bei Heine fällt die halachische Form, in der sich die das Leben des Frommen gestaltenden Gesetze darstellen, aus. “ 

“ Erst als der Rabbi seiner Frau das Nachtgebet vorbetete, weichen die Schreckensgesichte und machen der Vision vom Sabbatfrieden und der goldenen Pracht des Tempels in Jerusalem Platz. Dies ist ein erster Hinweis darauf, wo nach Heines Meinung allein die Rettung der orginär jüdischen Überlieferungen liegen kann : im kanonischen Text und seiner Auslegung im Kommentar.“ Bernd Witte

„Bilder und Bilderschrift führen zu Aberglauben und Götzendienst, und unsere alphabetische Schreiberei macht den Menschen zu spekulativ…Diesen Mängeln abzuhelfen gab der Gesetzgeber dieser Nation das Zeremonialgesetz“
                                                                               Moses Mendelssohn

“ Mendelssohn geht noch weiter, indem er die mosaischen Riten und Vorschriften  geradezu als eine andere Schrift versteht, durch die Gott die ewigen Vernunftgesetze seinem Volk geoffenbart habe. “ Bernd Witte


Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 12

Montag, Mai 28th, 2007

Es wurde dir gemailt

es wurden Schilder aufgestellt

das Denkmal nicht besudeln

doch wer besudelt wen

es wurden hier besudelt

Zigeuner, Juden, Schwule, Irre

das Denkmal ist nur Stein

doch Spucke traf die Haut

die Menschen ins Gesicht

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 11

Montag, Mai 28th, 2007

Und dein Text ist jetzt ein Kuchen
Kirchenfensterscheibentorte
und wer Geld hat kann sich kaufen
jeder dann ein Fensterlein                                                       .


hätt ich Geld doch bin ich Schreiber
würd ich kaufen gern ein Stück 

                                  .
und es hängen wohin hängen
in den Abendsonnenschein        

                               .
an die Tür ans Fenster gar
jeder sieht dann auch sogleich
meine Meinung ich bin reich    

                                        .
so muß ich vorlieb nun nehmen
aus Papier schneid ich mir Stücke   

                                      .
doch aus welchem Exemplar
nicht aus dem das mir so lieb ist     

                    .
das verbrannt am Rande ganz
weil es überlebt des Dritten Reiches
Dummheit- Haß- und Zornesflammen   

                           .
und dein Text im Chad Gadja
ist mir auch nicht antastbar
aus dem alten Jüdischen Verlag     

                                             .
und das ebay Exemplar
als Besitzer Schindler steht      

                        .
und so herlich bunt
ist die Geldern Haggadah    

                                  .
ach wie oft ist illustriert
das Böcklein und das Öchslein      

                                 .
es kam ein Schlächterlein
welches Exemplar soll ich nun nehmen    

                                    .
statt zu lesen nun zu schneiden
deinen Rabbi ganz entzwei      

                                      .
welche Stelle soll ich suchen
die mir dann ganz Fenster ist   

                                .
Bacharach die alte Stadt
vor dir schon Jerusalem verglichen    

                                    .
nein die schöne Sarah lieber
oder Wilhelm mit dem Kahn  

                                               .
das große Silberbecken das dein Rabbi
einst wie Hagen -Fluch dahin- tief in Rheines Fluten warf     

                 .
die Stelle die mir angstnah noch am liebsten
schieß nicht ich bin ein einzelner Mensch   

                                    .
oder wo du tröstest daß sie dich nur töten wollen
oder wo du klagst doch um die andern      

                                    .
einer schneidet hier den andern immer auf und aus
verbrannt geschlagen gebissen gefressen gekauft    

                              .
Öchslein Stöcklein Böcklein Suslein

sag mir     hebt die Toleranz das auf ?  

 

 

 

 

 

 

 

 

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 10

Sonntag, Mai 27th, 2007

Das Eintrittsbillet zur Kultur

welche Taufe ist es heute

wer darf

und wer wird aussortiert

über wen redet man

ab wann steht man

auf Rednerlisten

honorabel oder promoviert

und der Regen er fließt

von ganz oben

wäscht ab

die auf das Pflaster fielen

und die Stumme wendet sich

in grauen Stein

hier entsteht eine Heinrich Heine Seite

Sonntag, Mai 27th, 2007

http://www.friedrich-g-paff.de/

neu / Pfingsten 2007

“ Mit dem heiligen Geist hat es wohl am Ende diesselbe Bewandtnis, wie mit dem dritten Pferde, wenn man Extrapost reist; man muß immer dafür bezahlen und bekömmt es doch nie zu sehen, dieses dritte Pferd.“

                                           Heinrich Heine/Ludwig Börne/Zweites Buch

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 9

Sonntag, Mai 27th, 2007

Der Text ist eine Schlange

die sich häutet

er wirft die Muster ab

die ihn durchziehen

du bist nicht Walter Scott mehr

doch noch nicht Edmond Jabbes

nur auf dem Weg dorthin

es irren die derridadieren

dich stilisieren

der Schmerz er bleibt

Fragment

die Sprache irrt noch

zwischen Lust und Scherz

Finsternis und Ohnmacht

Sprache ist nicht Geld

frei zirkulierend

abstrakte Ziffern

Code nur Chiffren

sie ist noch ursprungsnah

buchstabengetreu

und Erde noch

ist Asche, Gras und Klage