Archive for April, 2007

Im Taumel der Taubheit

Sonntag, April 29th, 2007

weißt du

die Messerspitze bleibt

und sie tanzt

mitten im Wort

dreht sich ihr Sinn

gegen die Feigheit

gegen all die Worte

die nie was sagten

sagen wollten

Blicke die nur

unauffällig

wegwanden sich

Plötzlich fern weg

Sonntag, April 29th, 2007

Der runde Turm von Thessaloniki

am Hafen

in Piräus die alte Kaffeeverkäuferin

was hab ich getan

wohin bin ich gegangen

ich schnaufe wie ein Pferd

ein Wolf der die Seele

sucht vom Schwarzen Meer

„es ist Nacht geworden ohne Mond“

ein junger Rabe irrt uferlos

irgendwie ist es dir egal

du sitzt in dem Café

über engen Gassen

thronen

Chimären, Katzen, Grimassen

schakalartig

ergraut hier alles

nicht einmal Wodka

auf der Getränkekarte

verblaßte Rosen nur

Jubiläum

Sonntag, April 29th, 2007

Der Elisabeth

wurde angeheftet

der Deutsche Orden

das Bundesverdienstkreuz

Erster Klasse

Zerteilen der Welt

Sonntag, April 29th, 2007

Die Liebe ist ein Messer

die schneidet dich auf

in zwei Hälften

nie bist du mehr ganz

ohne den andern

Schweigende Galgen

Sonntag, April 29th, 2007

Das Offizielle hat immer

Kommunikation im Mund

es bietet sie an

wie der Henker den Strick

nein es ist zugezogen schon längst

 

Tote Fische

Sonntag, April 29th, 2007

Die schwarzen Katzen

sitzen auf den Treppen

und sehen in die Nacht

die wir nicht sehen

sie sehen die toten Fische

die hängen an den Lippen

der Sonntagsredner

ohne Worte

Sonntag, April 29th, 2007

Zum Tümpel nicht Tümpel sagen zu können. Zu Verrat nicht Verrat. Und doch gehst du hin. Lächelst oder lächelst auch nicht. Siehst und schaust doch nicht hin.

Dornenlos

Samstag, April 28th, 2007

Tauche in Öl das Wort

schwemm es auf

zieh ab es

neu auf’s Etikett

runde, verziere

versande, lack es

glatt polier es

füg es in alles

fugenlos funktional

bis es ganz atemlos

staubfrei dann leer

 

Dein Finger mein Anker

Samstag, April 28th, 2007

Kommt noch ein Morgen

wenn der Abend

so früh einbricht

rollt der Mond

über den Fluß

brennt ein Stern

die alte Weide

spielt mit den Schatten

Wellen benetzen

deinen und meinen Fuß

wir schwammen schon immer

flußaufwärts die Klippen

gegen die Strömung

tauchtest du unter

dann ich

niemand fragte nach uns

wir waren Antwort den versunkenen Schiffen

unsre Münder uns Ufer

das Wort rollender Anker

tief verschollen im Nichts

 

das rettende Floß

es ist deine und meine Hand

mehr nicht

Das Meer es rauscht im Wind

Samstag, April 28th, 2007

Liebe sag  Liebe

sag einsam sag du

fall mit den Würfeln

in die Nacht nicht sogleich

Liebe  sag Liebe

sag  einsam  sag du

 

wart nicht auf Antwort

noch auf das Herz

in dem Stein

frag nicht den Wolf noch das Lamm

 

sag Liebe  sag einsam

sag  du

 

geh über das Gras

den Himmel nimm mit

tief unterm Aug

 

Liebe sag Liebe

sag  einsam sag  du

 

höre die Nacht

sie flüstert dir zu

 

hör das Meer

es rauscht dir zu

 

höre den Wind

er weht dir’s ins Haar

 

Liebe sag Liebe

sag  einsam   sag du