Archive for the ‘Hadamar’ Category

Kunst bewegt zur Toleranz – Heine 1

Mittwoch, Mai 23rd, 2007

Meinen Sie es ernst ? Eine Toleranz, die nicht nur Sonntags oder Pfingstmontag zählt ? Sondern werktags auch ? Nicht nur im Beisein von Ministern, Professoren und Flötenkonzert. Eine Toleranz die nicht nur Marketing für Weltkulturerbe ist, sondern menschlicher das Zusammenleben gestalten will, auch im grauen Alltag, auch an Stammtischen und in Fußballstadien. Nicht nur akademisch oder weihevoll. Nicht Flötentöne nur. Sonntagsreden. Auch für Menschen ohne Abitur. Auch in der Enge und Angespanntheit von Arbeitslosigkeit, Überforderung, Ausweglosigkeit, Behinderung oder Hartz IV.  Eine Toleranz nicht nur für die feine Gesellschaft. Wenn Sie es ernst meinen, dann brauche ich ja auch hier nicht zu verstummen, sondern kann sagen, was ich zu sagen habe. In diesem Medium hier, das neu für mich ist und diese Möglichkeit mir hier bietet. Ein blog, ein poetisches Tagebuch,  das einen Text hier entstehen läßt. Nicht sprachlos nur Offiziellem ausgesetzt, offizieller Toleranz, sondern artikulieren zu können, wenn auch ungeschützt , was ich finde, das nicht untergehen darf, an Schatten und Widersprüchen. Dann kann ich virtuell hier mir erlauben, zu dir Heinrich Heine direkt auch zu sprechen, der du ein Kirchenfenster bekommst mit deinem Rabbitext am Pfingstmontag in dieser herrlichen Ruine der Wernerkapelle, die hochgotisch oder tiefes romantisches Erlebnis  auch ein Dokument der Barbarei war, des Hasses, der Hetze, der Anfeindungen, Unterstellungen und der Judenverfolgungen.

Ein Experiment also hier, eine Stellungnahme zu gegebenem Anlaß für Pfingstmontag 2007. In aller Eile, zwischendurch, denn „Deutsch für Ausländer“ habe ich noch zu unterrichten. Keine Zeit, den Text zu feilen. Aber im Ungeordneten hat sich Toleranz ja auch zu bewähren. Nicht nur im Feingeschliffnenen. Kunst bewegt zur Toleranz. Schön, daß sie außerhalb von sich noch was wahrnimmt, wo sie doch immer mehr in unserer Gesellschaft zum Selbstzweck, zur Selbstbestätigung und zur Unterhaltungsindustrie dient.

o.T.

Dienstag, Mai 22nd, 2007

Heute vermag ich nicht zu schreiben. Ein Kompliment an die, die es doch immer wieder schaffen, einen mundtot zu machen. Und doch, ich schreibe dies hier. Und das ist viel. Ich habe viel gelernt. Ich gebe ihnen nicht die Ehre, sie zu benennen hier. 

Die alte Goldwaage

Sonntag, Mai 13th, 2007

Auf der Spur in das Haus meiner Väter

im Flur an gekalkter Wand

hängt die Schifferkappe noch

das Fischernetz es trocknet

neben Tee, Kamille auf dem Speicher

die alte Bibel liegt verwaist

der graue Heidelberger Katechismus

Truhen, Kästen angefüllt mit Uhren

Brillen drauf

der Plan von einer Schiefermine

im Keller neben Eichenfässer

Steine, Fliesen, Funde

die Wilddiebflinte gut versteckt

Schmuggelgut in der Franzosenzeit

Schlösser in die kein Schlüssel paßt

Weidenkörbe   Bartmannkrüge

Zifferblätter ohne Zeiger

trockene Reben gelagert im Hof

auf der Spur in das Haus meiner Väter

durch Träume hindurch

durch Brände

durch Risse, Brüche, Engen

Häuser die nun nicht mehr stehen

auf der Spur in das Haus meiner Väter

Wingertspfade steil, Bergmannslampen

Schifferseile Fischerhaken

Gläser, Uhren, Perpentikel

in der Hand des Alten

der durch alle Väter geht

balanciert die feine Wage

stets auch gut geeicht

Ebenholz mit dünnen Messingschalen

und es gibt kein Gold

das da hebt die Asche auf

dessen den sie einfach so vergast

Gi 5

Donnerstag, Mai 3rd, 2007

Sprache sagst du

Sprache

ja sag es nur

sag Sprache

sag Name sag  Ich

kommt dann das wir

kommt schon das man

bist du schon …

Sprache sag  Sprache

sag Rache sag Aber

sag Rabe sag  Ich

sag Erde und Gras

flügellos Rauch

Gi 4

Donnerstag, Mai 3rd, 2007

Wo sie den Atem genommen

da ist kein Hauch

kein Hauch nimmermehr

aber der Ort

der nie zu benennen

Erinnerung

ortlos geworden

schreitet durchs Schweigen

namenlos

Rabenflügel verwaist

 

Waisenhaus

Montag, April 30th, 2007

Aus der Nacht

herausgekehrt

die Reste

aus der Asche heraus

gepustet

was da zuunterst

noch Glut

mit zugespitzten Lippen

zäh

Atem schnell schnappend

zäh angefacht

rot züngelt es noch

was blieb übrig von uns

nie hab ich dich verlassen

suchst du noch immer

den Schlüssel zu der verlorenen Tür

 

in der Urne war die Asche des Bruders nicht

hältst du noch immer die Hände

schützend um die rettende Glut

wer zündet das Feuer nun an

es ist worden kalt