Ein Leben lang übte er sich darin.
Er trank Tee aus einer Tasse.
Ganz normal. Ganz einfach.
Schimpfte das Kind, das den Kaiser immer nackt sieht.
Ja ungeziert.
Ein Leben lang übte er sich darin.
Er trank Tee aus einer Tasse.
Ganz normal. Ganz einfach.
Schimpfte das Kind, das den Kaiser immer nackt sieht.
Ja ungeziert.
Nun ist er
Stein geworden, Wind
und er schaut
in eine andre Zeit
schaut nicht mehr
zurück
bindet mit Bast
nicht mehr die Reben
die Jagd ist vorbei
das Wild
längst schon erlegt
die schwarzen Flecken
aus den Spiegeln
ganz entfernt
nichts klebt mehr
kleistert oder glitzert
sieht das Gras
wurzellos die Halme
abgemäht
nun ist er
Stein geworden, Wind
und er schaut
aus seiner Zeit
Raben tragen
seine toten Tage
in die Sonne
ganz hinein
Fremde Rollen
zu spielen
aber wie
wo alles
doch spielt
Entfremdung
rollt immerzu
Ent-fremdung was für ein Wort
eigentlich hieß es doch Nähe
Ent-eisung Ent-grenzung
die eigene Rolle
was wäre das
gab es die je
sich zu sein
nicht nur momenthaft
am Ende im Applaus
in welchem Bühnenbild
bist du zu Haus
setz die Maske auf
ich will dich sehen
dies ist der Dolch der Muse
Haut und Maske sind eins
ungeschminkt
der Mond dort ist mein blindes Aug
die Raben meine Schreie
und die abgefallenen Äste
meine Liebe zu dir
In deinen Händen
meine Haare
die Worte all
die sich verfingen
von Haar zu Haar
der Sprung
ins Abseits, Nichts
in deinen Händen
meine Haare
die Spitzen all
die mir genommen
in deinen Händen
meine Sprache
weht Wind
von ferner See
den Mond, das Salz
ins abgerissne Haar
in deinen Händen
meine Worte
sind ortlos all
und niemand
teilt sie
in deinen Haaren
all die Kraft
die mir genommen
das Schweigen
aus der Nacht geronnen
in deinen Haaren
meine Liebe ganz
ein Herz zerbrochen
und zu schwer
in deinen Händen
meine Haare
die Seele aufgelöst
um deine Finger
tanzen schwarze Raben
Irgendein Dolch
versteint am Theater
oder bronzen
in der Hand einer Muse
er wartet noch immer
zuzustechen
von oben
sieht er hinab
er hat alles gesehen
gegenüber den Brand
Flammen
schlugen in die Nacht
gelbe Sterne
Goethe war der Name der Schule
wo sie zuletzt hier gesehen
irgendein Dolch
versteint am Theater
wehrlos
Plötzlich war der Seltersweg
versteint
die rote Fahne
längst schon ausrangiert
aus den Mülltonnen
schaute Godot nicht mehr
Starre lag auf den Gesichtern
die selbst der Sand an Schuhen
nicht mehr löste
aus dem Deutschen Herbst
fielen Blätter herab
ohne Zeit zu verwelken
ohne Zeit wieder zu grünen
verwaist vom Stamm
weiß geworden über Nacht
unbeschriebene Ängste
und man ging heim
und doch in die Fremde
In Büchners Schatten
wälzt sich diese Stadt
hin über Erbsen
glitt man nur
nichts mehr mit Krieg
Palästen, ökologischen Hütten
Fassaden nur
die Namen nie
für das was niederzwang
der eine zahlte ganz
der andre halb
der andre nicht
am Ende
schrie es dann hervor :
das Gegenwort
„Vive le roi „
Irgendein Astavorsitzender
du kennst nicht mehr
seinen Namen
du fuhrst zur Beerdigung mit
sie diskutierten noch
wie man trauert
du fuhrst im Engpaß einer Straße
an einer zerfallenen Mühle vorbei
irgendwie Frankenberg zu
du hast die Zeit vergessen
er nahm die Zeit mit
die Zeit nahm ihn mit
Noch immer leben die Götter
Dionysos lacht
in den Schächten zuunterst
graben die Wurzeln sich um
Phrygisches Fremdes
Pinienzapfen auch hier
nasses Efeu schlingt schlangengleich
sich um die Glasfassaden
die Atemmaske öffnet sich
spaltweis fällt Feuer in die Haut
der Mond sein bleiches weißes Auge
badet in dem schwarzen Haar
der Becher füllt sich ganz mit Nacht
und aus den Ritzen aus Beton und Teer
wuchern Brennesseln ans Licht
Eidechsen zischen übers Pflaster
am Fluß die Weiden biegen sich im Wind
Saft quillt aus ihrer nassen Haut
und in den Abbruchhaüsern
Samen nie gelebter Zeit
in Schutt gewälzt die ganze Utopie
tierwarm was überleben ließ
Höhlengleichnisse gesucht
am Rande der Imbißbuden
tropfte das Fett
goss sich
in die Gosse hinab
goss
ist das Präteritum
dieser Stadt
Plötzlich öffneten sich
die Psalme
aus ihnen fielen
Staubkörner der Stille
auf den Flügeln der Raben
trug Gott das Schweigen
in die atemlos gewordene Erde