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Meister der Teezeremonie

Sonntag, Mai 6th, 2007

Ein Leben lang übte er sich darin.

Er trank Tee aus einer Tasse.

Ganz normal. Ganz einfach.

Schimpfte das Kind, das den Kaiser immer nackt sieht.   

Ja   ungeziert.

Poetologisches Tagebuch

Sonntag, Mai 6th, 2007

Nun ist er

Stein geworden, Wind

und er schaut

in eine andre Zeit

schaut nicht mehr

zurück

bindet mit Bast

nicht mehr die Reben

die Jagd ist vorbei

das Wild

längst schon erlegt

die schwarzen Flecken

aus den Spiegeln

ganz entfernt

nichts klebt mehr

kleistert oder glitzert

sieht das Gras

wurzellos die Halme

abgemäht

nun ist er

Stein geworden, Wind

und er schaut

aus seiner Zeit

Raben tragen

seine toten Tage

in die Sonne

ganz hinein

Theater

Samstag, Mai 5th, 2007

Fremde Rollen

zu spielen

aber wie

wo alles

doch spielt

Entfremdung

rollt immerzu

Ent-fremdung was für ein Wort

eigentlich hieß es doch Nähe

Ent-eisung Ent-grenzung

die eigene Rolle

was wäre das

gab es die je

sich zu sein

nicht nur momenthaft

am Ende im Applaus

in welchem Bühnenbild

bist du zu Haus

setz die Maske auf

ich will dich sehen

dies ist der Dolch der Muse

Haut und Maske sind eins

ungeschminkt

der Mond dort ist mein blindes Aug

die Raben meine Schreie

und die abgefallenen Äste

 

meine Liebe zu dir

Delila

Samstag, Mai 5th, 2007

In deinen Händen

meine Haare

die Worte all

die sich verfingen

von Haar zu Haar

der Sprung

ins Abseits, Nichts

in deinen Händen

meine Haare

die Spitzen all

die mir genommen

in deinen Händen

meine Sprache

weht Wind

von ferner See

den Mond, das Salz

ins abgerissne Haar

in deinen Händen

meine Worte

sind ortlos all

und niemand

teilt sie

in deinen Haaren

all die Kraft

die mir genommen

das Schweigen

aus der Nacht geronnen

in deinen Haaren

meine Liebe ganz

ein Herz zerbrochen

und zu schwer

in deinen Händen

meine Haare

die Seele aufgelöst

um deine Finger

tanzen schwarze Raben

Gi 10 *100 Jahre Stadttheater * Melpomene * Mnemosyne

Freitag, Mai 4th, 2007

Irgendein Dolch

versteint am Theater

oder bronzen

in der Hand einer Muse

er wartet noch immer

zuzustechen

von oben

sieht er hinab

er hat alles gesehen

gegenüber den Brand

Flammen

schlugen in die Nacht

gelbe Sterne

Goethe war der Name der Schule

wo sie zuletzt hier gesehen

irgendein Dolch

versteint am Theater

wehrlos

Gi 9 zwischen ESG und GSG

Freitag, Mai 4th, 2007

Plötzlich war der Seltersweg

versteint

die rote Fahne

längst schon ausrangiert

aus den Mülltonnen

schaute Godot nicht mehr

Starre lag auf den Gesichtern

die selbst der Sand an Schuhen

nicht mehr löste

aus dem Deutschen Herbst

fielen Blätter herab

ohne Zeit zu verwelken

ohne Zeit wieder zu grünen

verwaist vom Stamm

weiß geworden über Nacht

unbeschriebene Ängste

und man ging heim

und doch in die Fremde

Gi 8

Freitag, Mai 4th, 2007

In Büchners Schatten

wälzt sich diese Stadt

hin über Erbsen

glitt man nur

nichts mehr mit Krieg

Palästen, ökologischen Hütten

Fassaden nur

die Namen nie

für das was niederzwang

der eine zahlte ganz

der andre halb

der andre nicht

am Ende

schrie es dann hervor :

das Gegenwort

„Vive le roi „

Gi 7

Freitag, Mai 4th, 2007

Irgendein Astavorsitzender

du kennst nicht mehr

seinen Namen

du fuhrst zur Beerdigung mit

sie diskutierten noch

wie man trauert

du fuhrst im Engpaß einer Straße

an einer zerfallenen Mühle vorbei

irgendwie Frankenberg zu

du hast die Zeit vergessen

er nahm die Zeit mit

die Zeit nahm ihn mit

Gi 6

Freitag, Mai 4th, 2007

Noch immer leben die Götter

Dionysos lacht

in den Schächten zuunterst

graben die Wurzeln sich um

Phrygisches Fremdes

Pinienzapfen auch hier

nasses Efeu schlingt schlangengleich

sich um die Glasfassaden

die Atemmaske öffnet sich

spaltweis fällt Feuer in die Haut

der Mond sein bleiches weißes Auge

badet in dem schwarzen Haar

der Becher füllt sich ganz mit Nacht

und aus den Ritzen aus Beton und Teer

wuchern Brennesseln ans Licht

Eidechsen zischen übers Pflaster

am Fluß die Weiden biegen sich im Wind

Saft quillt aus ihrer nassen Haut

und in den Abbruchhaüsern

Samen nie gelebter Zeit

in Schutt gewälzt die ganze Utopie

tierwarm was überleben ließ

Höhlengleichnisse gesucht

am Rande der Imbißbuden

tropfte das Fett

goss sich

in die Gosse hinab

goss

ist das Präteritum

dieser Stadt

Sela …Cela…Celan

Donnerstag, Mai 3rd, 2007

Plötzlich öffneten sich

die Psalme

aus ihnen fielen

Staubkörner der Stille

auf den Flügeln der Raben

trug Gott das Schweigen

in die atemlos gewordene Erde