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Verirrt in den Höhlen der Worte

Donnerstag, Mai 10th, 2007

Die Schlangen kriechen durch die Körper. Zucken hervor in Flammen und Worten. Ästhetiken wuchern wie Brennesseln.
 

Bleib nicht an den Häuten kleben, bitt ich dich, aber du bleibst.
 

Wir wisssen nichts, das ist das Schöne.
 

Ich höre dein Lachen.
 

Dein Hören selbst höre ich.
 

Wie wir uns nah sind und doch so getrennt.
 

Die Welt ist ein kleiner Fußball, die Bundesliga kickt ihn hoch. Aber kein Tor mehr zu treffen, Tore gibt es genug. Schimpf nicht, wenn ich törricht bin.
 

Du weißt, ich kann nie so sein wie ich bin.
 

Wenn ich liebe, bin ich bitter wie Galle.
 

Ich möchte so gerne sanft sein, aber das Gras schneidet mir die Zunge.
 

Aber sei beruhigt, ich beiß mich nicht mehr fest, käme eh nie an gegen all die künstlichen Gebisse, die rappen, slamen, dozieren, lispeln geisterfahren selbstbeweihräuchernd die Worte.
 

Worte, das weißt du, ich weiß nicht, was sie für mich sind.
 

Orte. Einfach nur Orte.
 

In ihnen wohnen wir du und ich, hausen, unsere Höhlen sind sie.
 

Wir wissen, daß sie uns  keine Zuflucht geben, aber die können wir uns auch nicht geben.
 

Raben sind wir in fremden Nestern.
 

Nie zu Haus.
 

Zünd paar Sonnen an. Meine Schulter wird immer härter. Sie weist soviel ab.
 

Wir wohnen in Worten nicht, aber manchmal durchwandern die uns, wenn wir fliegen.
 

Wir fliegen durch sie ja.
 

Wir bleiben nicht stecken. Setzen ihren Bedeutungen nicht auf.
 

Wir nehmen sie ernst. Tasten ihre Flügel.
 

Wohin werden sie uns bringen im fluglosen Flug der Stille ?
 

Wir sind alleine. Und können uns nicht mitteilen. Deine Welt ist eine andere Welt als meine. Aber lach. Es ist weder deine noch meine Welt.
 

Da sind wir zu Haus, daß wir wissen, daß keiner eine Welt je hat.
 

Wir tanzen zwischen den Wänden messerscharf.
 

Unser Halt ist die Brüchigkeit, die wir teilen.
 

Die Asche in unseren Augen, die Asche der Vergessenen, läßt uns finden.
 

Ich zieh dich heraus und du ziehst mich heraus. Ja ?
Wenn die Abhänge zu groß werden, du weißt, Steilflug gelingt nie.
 

Manchmal spürst du meine Leere und ich deine.
 

Dann sind wir uns nah.
 

Bedrohlich nah.
 

Ich kann sie nicht mehr wispern hören, verstehst du das ?  Ich hau hin. Ich schlag zu nicht. Du liest zuviel. Warum packst du aus all das Zellophan ?
 

Laß es doch eingeschweißt. Staubfrei. Komm lies mich. Lies mich auf, der ich verloren gegangen bin,  aus den Dornen, aus den Blütenstaubwolken der Disteln lies mich auf. Grasfrei. Nur …

Gelöst …für G.

Donnerstag, Mai 10th, 2007

Die Wahrheiten werden flüssig. Gott taucht unter. Nicht einmal klammheimlich.. Die Metaphysik übt Seiltanz, aber das Seil ist gerissen schon längst. Die Fallnetze sind alle verloren. DerAkrobat verrenkt sich vor blindem Publikum.. Fitness ist angesagt. Der eigene Körper. Was bleibt sonst übrig ? Aber Sex ist auch längst schon vorprogrammiert. Gespräche filtriert nach Zweck . In luftleeren Räumen sind wir angekommen. Komm spring auf mich zu. Alles ist Zellophan. Vakuum

Ernte

Mittwoch, Mai 9th, 2007

Ich habe das Sterben

vieler Blüten gesehen

tanzend im Wind

ich aber bin reif geworden

sagt die Herzkirsche

nun werd ich gegessen

oder falle nutzlos hin

was in mir Kern war

überdauert ausgespuckt

Adorno

Mittwoch, Mai 9th, 2007

Ein Philosoph, der richtig liegt, den muß man nicht lesen, in der Art wie Wirklichkeit sich entfaltet, ist er zugegen.

Mainstream

Dienstag, Mai 8th, 2007

Der Wind

weht drüber weg

es ist so glatt

 

was oben schwimmt

hat nie gelernt

in die Tiefe zu fallen

Weltsichten

Dienstag, Mai 8th, 2007

Das Unzersplitterte

wo

wenn nicht im Splitter

ist es zu denken

Johannes Tranelis+1997

Dienstag, Mai 8th, 2007

Töpfer, Keramiker

Spieleerfinder du

noch immer wartet

ein Spiel

ein Projekt

ungefertigt

über und durch

enge Gassen

die sich zuziehen

in dieser kleinen Stadt

dort am Rhein

schattenüberhangen

ich zeichne es in der Luft

du setzt Steine darauf

ich flüstre durchs Gras

dir ins Grab

nimm Glasur mit

von unten

brennst du den Ton

 

 

Der Krug ist zerbrochen

die Töpferin Zeit

hält die Scherben

in der Hand

nichts fügt sich mehr

zusammen

vorbei und dahin

ausgetrunken zu schnell

das Wasser des Lebens

Gelle

Montag, Mai 7th, 2007

Plötzlich fiel über die Stadt eine Magie. Die alte Aula, ein Grab, Tonnengewölbe, bekam neue Lichtschächte. In die Dunkelheit wurde geflößt ein Erinnern. Erinnerungskultur nannte sich das. Es sprießte hervor genauso wie das Mathematikum Der Name des Unipräsidenten war jetzt eine Straße im Krankenhausbereich. Sie teeren noch immer. Schau dir den Marktplatz an. Alles schwarz. Bushaltewartestationen im Neonlicht. Die Magie dieser Stadt zaubert aus der Kälte ein fahles Licht. Es ist die Kulisse, wo nie ein Gespräch fand statt. Die Stunde der Dunkelmänner naht, die sich schmücken mit der bleichen Krone der Sterilität. Usinger kommt dahergeschritten, ein vergessener Bienenkönig und pflanzt in die Poesie sechseckige Waben. Heilige Bienen schwirren um die Glaspaläste. Ein Seeigel tanzt auf dem Elefantenklo. Stachellos geworden.

An Usinger

Montag, Mai 7th, 2007

Der Nacht-Rab

 

Beendet ist der Sang.

So fingst du deinen

Nach-trab an

was hier noch folgt

das war schon immer da

das Flügellose ungefügt

schwirrt hell

unsichtbar im Gesang

weiße Steine rollen

über Fels und tote Schlangen

unaufhörlich endlos hin

graswurzellos

nisten die Raben

in den Nischen der Götter

auf weißem Marmor

hüpfen sie schwarz

krallen die losen Buchstaben

im Wind treiben verlorene Worte

mit Flügeln zu schlagen

das Unsagbare

die Liebe ist immer der Anfang

fliegen sie über Asche und Staub

zu den grünen Sibyllen hin

Im Tal der Raben

Sonntag, Mai 6th, 2007

Angekommen wächst Stille aus den Felsen.
 

Der Schmerz dahin.
 

Er hob sich nicht hinweg.
 

Er war abwesend und doch da.
 

Hier sprach aber niemand mehr.
 

Hier hörte das Gras man wachsen.
 

Das in die Erde hineinwuchs vom Himmel her.
 

Die Wolken, die vorrüberzogen, waren Gespräche, die niemand mehr führt.
 

Leere Wolkenschiffe hafenlos.
 

Nichts ankerte mehr im Himmel.
 

Masten brachen um.
 

Krähen flogen durch weiße Segel.
 

Weiße Segel fingen all das Schweigen.
 

Unterbrochen nur vom Gekrächze der Krähen.
 

Nichts fingen die Netze mehr auf.
 

Die Vogelfänger waren arbeitslos, ebenso die Fallensteller.
 

Die Jagd war vorbei.
 

Kein Schuß fiel in der Stille.
 

Es gab zu jagen nichts mehr.
 

Nicht einmal Schatten.
 

Die Sonne blendete, nachts der Mond.
 

Der Fels kühlte die Füße.
 

Barfuß ging man durch Distel und Dorn.
 

Pfade, keine Wege.
 

Pfade, die ausgetreten nur von einem selbst.
 

Einsame Pfade, in der Irre umher,

auf denen niemand mehr folgte.
 

Nicht einmal der eigene Schatten. 
 

Pfade, die sich niemals mehr kreuzten.
 

So floh man von und vor sich.
 

Es gab keine Ferne, die Ankunft war.
 

Keine Nähe, die je Ausgangspunkt.
 

Man verspürte die Lust, den Bogen zu spannen,

dessen Pfeil man selber war.
 

Doch fehlte jegliches Ziel.
 

Erinnerung war noch in den samtenen Unterseiten

der Blätter blaugeädert.
 

Doch es war windstill, nicht einmal die Weiden zuckten.
 

Genau richtig, um langsam zu lernen,

die Leere auf Händen zu tragen.
 

Wer hier hin kommt, hat alles hinter sich.
 

Und das ist gut so.
 

Die Zählmaschinen aussortiert.
 

Nur hier tasten die Worte noch das,

aus dem sie einst wuchsen.
 

Archaische Frühe, die sich nicht verblendet.
 

Aber auch nie stille steht.
 

Die immer da ist.
 

Abwesend.
 

Zu ihr hin entwickelt sich alles immer wieder auf’s neu.
 

Die Schlangen wissen es und die Eidechsen.
 

Sie häuten sich.
 

Streifen die Hülsen ab, die Häute,

in denen sie doch atmen die Sonne, den Mond.
 

Wörter abstreifen wie man Kleider ablegt,

die nicht für einen gemacht.
 

Nicht verkürzen, verlängern.

 Ablegen.
 

Im Tal der Raben hat man alles abgelegt.
 

Selbst die Vorstellungen darüber.
 

Die Gegensätze pochen nicht mehr.
 

Fessel und Freiheit sind eins.
 

Ankunft und Abwesenheit auch.
 

Du bist fern und nah zugleich.
 

Du bist meine Härte, sagt das Blatt.
 

Und du bist mein Schweben, sagt der Fels.
 

Worte ihr seid meine Finger, Messer nicht mehr.
 

Du bist mein Wort

sagt der taubstumme quarzgeäderte Schiefer.
 

Da lachen die Raben. Brennesselblätter im Schnabel.
 

Denn sie tragen alles auf Flügel,

Schwere und Schwärze der Erde, die Sonne zugleich. krr krr krrr .
 

Durch die Leere der Luft fliegen sie ihr Gekrächze,

erschrecken den Wind,

durchkreuzen die Nacht,

ihr schwarzes zarte Gefieder

berührt die einsame Mondsichel

am fernen Horizont.
 

Flügelschlag der Stille.
 

Im Tal der Raben wart ich auf dich.
 

Komm.
 

Ich bin da.
 

Pfadlos.
 

Ohne Worte.
 

Ein Rabe sitzt auf meiner Schulter.
 

Sieh ihn an.
 

Er hat deine Augen.
 

Sein Gefieder dein Haar.
 

Deine schwarzen Zotteln sind länger geworden,

hängen tiefer dir im Gesicht,

bedecken deine Stirn,

deine Augen stechen durch sie

deinen unwiderstehlichen Blick.


 

Schlag unter deine Flügel mich ganz.